Im Sinne des Künstlers Helmut Lutz ist zu betonen, dass jeder Betrachter von Kunstwerken seine eigene Lebensgeschichte mit in die Interpretation desselben einbringen kann und soll. Insofern wollen alle aufgeführten Gedanken nur als Hilfe zum Verstehen gesehen werden, nicht etwa als einzig mögliche Interpretation.
Rundgang: Kirchenraum
Geweihtes Wasser zu nehmen, sich zu bekreuzigen und sich in diesem Tun vergegenwärtigen, dass Sie sich aus dem Alltag heraus in einen Raum Gottes hinein bewegen, erinnert an zahlreiche Waschriten. Vor dem Essen sich Hände (oder wie zur Zeit Jesu auch die Füße) zu waschen dient mehr als nur der Reinigung.
Als Christen erinnert uns das geweihte Wasser an die eigene Taufe, durch die wir mit Christus verbunden sind.
Die 12 tragenden Äste des Lebensbaumes mit ihrem reichen, filigranen Blattwerk und ihrem Fruchtüberfluss nehmen bezug auf die Schriftstelle: "Das Holz des Lebens, das 12mal Früchte trägt, Monat für Monat gibt es seine Frucht ab. Und die Blätter des Holzes sind zur Heilung der Völker." [Offb 22,1f]
Über 12 Jahre wurde an der Ausgestaltung gearbeitet - 1988 war das Werk vollendet.
Roter Sandstein enthält seine Farbe aus demselben Stoff, der auch das menschliche Blut rot färbt: Eisenelemente. Somit ist der Altar nicht einfach ein Tisch aus Stein. Er verbindet Menschliches mit Göttlichem.
Eingebettet sind die Rondelle in die Darstellungen der vier Evangelisten an den Betonsäulen über den aufgeschlagenen Büchern: Der Mensch oder Engel (Matthäus), der Löwe (Markus), der Stier (Lukas) und der Adler (Johannes) wurden von Lutz geschaffen.
Angehörige von Verstorbenen können in der Ablage um den Stein ein Erinnerungsbild, einen Text oder auch Gegenstände für die Dauer von einem Jahr ablegen. Nach Ablauf dieses "Trauerjahres" werden die abgelegten Erinnerungsstücke in ein Buch eingeordnet.
Die vier Kerzen auf den Engelsflügeln um den Stein können von BesucherInnen jederzeit entzündet werden, um so ihrer Trauer, Anteilnahme oder Erinnerung Ausdruck zu verleihen.
Ein frommer Pilger hat diese Platte offenbar als Dank für die Heilung von einem Beinleiden anfertigen lassen.
Zellers "Abendmahl" in der Werktagskapelle zeigt keine feierliche Festversammlung, wie wir es von Malern des Nazarenerstils kennen. Dieses Bild stand im Zentrum der Kritik und löste in der Gemeinde zahlreiche Diskussionen aus. Er liebte es, den Menschen den Spiegel der Selbsterkenntnis hinzuhalten: Die Apostel sind Menschen aus allen Schichten. Man findet Menschen schlafend, träumend, teilnahmslos, Gläubige, Zaudernde, Staunende, Streitende. Auch Mitläufer, die ihr wahres Gesicht verbergen, finden sich im Hintergrund.
Die Eucharistie war für Zeller die Quelle, aus der er schöpfte. Daraus erklärt sich die Kraft seiner Bilder aber auch ihre Polarisierung: "Wisst ihr denn, was es heißt, Gott zu fressen?", so fragte er provozierend seine Mitchristen.

















