„Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht; die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering. Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und sie nicht tut.“
Martin Buber
Wege der Versöhnung
Das Auffällige an der Botschaft Jesu ist sein Ruf zur Umkehr, der sich nicht mehr auf die noch strengere Einhaltung der Gebote bezieht, sondern auf das Erkennen der unendlichen Liebe Gottes (vgl. der barmherzige Vater Lk 15,13 - 32).
Im Neuen Testament werden viele Wege der Umkehr und der Schuldvergebung genannt. So z. B. im ersten Petrusbrief: „Die Liebe deckt eine Menge Sünden zu:“
Das alltägliche sich Entschuldigen gehört da sicher genauso dazu wie das persönliche Beten mit der Bitte um Vergebung oder der Gottesdienst mit seinem Schuldbekenntnis, ebenso die Feier der Eucharistie, in der uns immer neu bewusst wird, dass Jesus sein Leben am Kreuz für uns hingegeben hat „zur Vergebung der Sünden“.
Zwei besondere Wege empfiehlt die Gemeinschaft der Kirche, um sich mit einander und mit Gott zu versöhnen:
1. Die Feier der Versöhnung für Einzelne (Beichte)
In dieser Form wird vor einem Priester ein persönliches Schuldbekenntnis abgelegt. Der Priester sagt Auftrag der Gemeinschaft der Kirche zu, dass Gott die Sünden vergibt und bestätigt dies in der verbindlichen Lossprechung. Dabei beruft sich die Kirche auf das Wort Jesu „Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“(Mt 16, 19)
Kinder und Jugendliche werden eigens für den Empfang dieses Sakramentes vorbereitet und zu eigenen Feiern eingeladen. Erwachsene können jederzeit dafür mit einem Priester einen Termin für ein Beichtgespräch vereinbaren oder einfach zu einem im Pfarrbrief angegebenen Termin in der Kirche das Sakrament der Versöhnung empfangen.
2. Die gemeinschaftliche Feier der Versöhnung (Bußgottesdienst)
Vor allem in der Advents- und Fastenzeit laden die Gemeinden der Seelsorgeeinheit zu einem Bußgottesdienst ein. Vielen hilft es, anhand von konkreten Impulsen über das persönliche Verhalten nachzudenken und in einer gemeinschaftlichen Feier um Vergebung zu bitten. Oft zeigen Bußgottesdienste, wo die Wurzel von Fehlverhalten oder Lieblosigkeiten liegen und erleichtern so die Erkenntnis von Umkehr und Neubeginn.
Wenn man sich schwer tut?
Niemand spricht gerne über eigene Schuld und nirgends sind wir empfindlicher und verletzlicher als bei unserem eigenen Versagen. Ein Blick auf Jesus und seinen einfühlsamen Umgang gerade mit sündigen Menschen ist eine große Ermutigung für jeden, der sich schuldig fühlt. Jeder Priester, der mit heutigen Menschen zu tun hat, weiß um die Hemmungen, sich Gott oder der Gemeinschaft der Kirche zu stellen und wird darum in großer Diskretion und mit Wohlwollen bemüht sein, jedem den Weg zu erleichtern, dass er von der Last seiner Schuld befreit wird und an das Verzeihen Gottes glauben kann.





