18 Glottertäler Pilger waren dann mal weg –
Fußwallfahrt einer Gruppe vom Schwarzwald ins Kloster Einsiedeln in der Schweiz

Sturm fegt über die Berge. Das Kloster Einsiedeln bei Zürich und das Städtchen ducken sich im Tal. Oben zerzaust der Wind die Regencapes von 17 Wallfahrern. Sie sind eine Woche lang vom Glottertal (bei Freiburg) im Schwarzwald hierher gegangen, fast 200 Kilometer zu Fuß. Manche mögen im Regen nicht verweilen, andere knien nieder: Sie sind am Ziel. Mit dieser ersten Fußwallfahrt einer Gruppe, angeboten vom „Bildungswerk Glottertal", haben sie historische Verbindungen zwischen ihrer Heimat und Einsiedeln erneuert und eine Woche mit sehr persönlichen religiösen und spirituellen Erfahrungen erlebt. Der Sturm kurz vor der Ankunft war der einzige dieser Frühherbst-Woche. Sonst war das Wetter pilgerfreundlich mit kleinen Wetter-Wundern wie dem unerwarteten Sonnenschein am Aussichtspunkt auf dem Uetli-Berg hoch über Zürich. Das alles trug zum Erfolg der Wallfahrt bei. „Die Verbindung aus Gehen, Natur, Religion, einer starken Gruppe und kompetenter Leitung, ist einfach magisch," sagt Teilnehmerin Angelika Lechner.
 

Am Samstag (28. September) begann die Pilgertour um sieben Uhr morgens in der Kirche St. Blasius im Glottertal mit einem Reisesegen. Die von einem Vorbereitungsteam neu ausgearbeitete Route führte die 17 Pilger im Alter von 21 bis 70 Jahren – und ihre Fahrerin mit dem Gepäck im Begleitbus – über den Hochschwarzwald mit Übernachtungen in Breitnau, Seebrugg am Schluchsee und Höchenschwand dem Rhein entgegen. Bei Waldshut überquerten die Pilger die Grenze zur Schweiz und gingen von da in vier weiteren Etappen nach Einsiedeln, das südwestlich von Zürich liegt. Knapp die Hälfte der etwa 200 Kilometer führten über Straßen und Teerwege. „Eine Wallfahrt ist keine Wanderung," stellt Veronika Scherzinger klar, Religionspädagogin und Leiterin des Projekts. „Wir mussten einen möglichst direkten Weg suchen und uns danach richten, wo preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten für 18 Personen angeboten werden." In Deutschland übernachtete die Gruppe in Gasthöfen und Jugendherbergen, in der Schweiz meist bei Bauern auf dem Strohlager. „Das war zwar manchmal provisorisch, aber es gehört auch zu einem Pilgerweg, auf Luxus und Bequemlichkeit zu verzichten," so Scherzinger.

Die Gruppe mit katholischen und einigen protestantischen Pilgern bewegte sich nicht nur in der Landschaft sondern auch im theologisch-geistlichen Raum. Jeden Vormittag, nachdem die manchmal müden oder schmerzenden Füße wieder ans Gehen gewöhnt waren, versammelte sich die Gruppe zum Gebet eines Psalms. Diakon Josef Sonner legte den Text aus, Veronika Scherzinger fügte spirituell-psychologische Anregungen hinzu. Dann ging die Gruppe schweigend weiter. „Das war so wohltuend, weil ich mich in dieser Zeit mit wichtigen Fragen beschäftigen konnte," sagt die Waldkircher Physiotherapeutin Angelika Lechner. „Im Gehen kam ich auf Gedanken, die mir in meiner gewohnten Umgebung und im Sitzen vermutlich gar nicht eingefallen wären."

Nachdem die Gruppe am 8. Wallfahrtstag (5. Oktober)  in Sturm und Regen die Berge über dem Kloster Einsiedeln erreicht hatte, führte der Weg in weiteren 40 Minuten zum eigentlichen Ziel, der schwarzen Madonna in der Basilika des Benediktiner-Klosters. Hier wurde die Gruppe von Pater Markus Steiner begrüßt und konnte  am nächsten Tag an einer Primiz-Messe teilnehmen. Die durch diese Wallfahrt belebte Verbindung zwischen Einsiedeln und dem schwarzwälder Glottertal reicht 900 Jahre zurück: in den Haushaltsbüchern des Klosters wurde Glottertal zum ersten Mal erwähnt. Bauern von dort lieferten den Mönchen um das Jahr 1100 Waren aus dem Schwarzwald.

„Das Projekt war für uns alle ein Abenteuer", sagt Veronika Scherzinger, „wir sind froh, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesund angekommen sind und wichtige Erfahrungen machen konnten."